Samstag, 11. Oktober 2008

Vent d'Autan

Nach einer Woche mit wundervollem Spätsommerwetter, das einem die Sommersprossen auf die Nase treibt, bläst heute der seltsame und sagenumwobene Wind aus Süd-Ost, der Vent d'Autan, der alle ein bisschen verrückt macht. Das Sonnenlicht scheint nur ganz fahl durch eine dünne Wolkendecke, ein feiner Staub trübt die Sicht. Die Pyrenäen sind nicht zu sehen- glücklicherweise, denn wenn man sie deutlich sieht, gibt es immer Regen. Den wollen wir ja nicht, denn die Pflanzenmesse findet morgen unter freiem Himmel im Herzen der Gascogne statt. Ganz in der Nähe von Auch (gesprochen: Osch), der "Hauptstadt" des Departement Gers. Die ganze Gegend ist recht dünn besiedelt und die wunderschöne liebliche Hügellandschaft mit ihren fruchtbaren Böden, ist von Landwirtschaft geprägt. Mit ihren Steinbauten aus cremefarbenem Kalkstein wirken die Orte hell und freundlich. Entlang des Jacobswegs, der das Departement kreuzt, findet man eindrucksvolle sakrale Bauten, viele davon aus dem frühen Mittelalter. Dieses Land vor den Bergen, zwischen Mittelmeer und Atlantik, scheint jenseits aller Reiserouten zu liegen aber man staunt nicht schlecht, wenn man das internationale Namensgemisch im Telefonbuch sieht. Italiener und Spanier flohen vor dem Faschismus hierher, die Engländer, die ja nach Jeanne d'Arc die Gascogne verlassen mussten, sind nun ganz friedlich wieder da und verschönern die Landhäuser mit ihrer Gartenkultur. Polnische Landarbeiter wurden in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts hier heimisch und seit neuestem kaufen norwegische Ölmagnaten Schlösser, um mit ihren Gästen in den Bergen Jagen und Fischen zu können. Eine kleine Kolonie deutscher und schweizer Ökobauern entstand vor 25 Jahren, ihre Produkte vermarkten sie meist selbst und man trifft sie auf den Wochenmärkten. Diese ganze bunte Gesellschaft spricht ihr Französisch mit der rauen Klangfarbe der Gascogne und zum Abschied sagt man: "Adischatz"

Montag, 6. Oktober 2008

Mobile Gesellschaft

Alles scheint unterwegs zu sein: Wir mal wieder morgens um 6 in Richtung Frankreich. Es scheint ja langsam eine liebe Gewohnheit zu werden, den Hund einzupacken und ab auf die Autobahn! Die letzten Tage vor Abfahrt haben gut geklappt und auch die ersten Stücke für die nächsten Ausstellungen im November (Morbach und Mainz) stehen heil in unserer Galerie. Ich plane eine kleine Hommage an meine Lieblingsmalerinnen Frieda Kahlo und Paula Modersohn-Becker. Vorsichtshalber reisen auch 50 kg Modellierton mit, gegen Anfälle von Arbeitswut.
Sehr komfortabel gereist ist auch der heilige Johannes.

Samt Weinbecher und Schlange, angeschnallt und festgezurrt auf dem Rücksitz eines Kirchenvorstandsmitgliedes, grüßte er fast Papst-mäßig die Verkehrsteilnehmer. Wir sind sehr gespannt , wie er in seiner Nische aussehen wird.
Mit vollgepacktem Leihwagen kam Grudrun Lüpke aus Rügen angefahren. Sie hat von dort ihre Drehscheibe, Werkzeug und ihre geliebte Porzellanmasse eingepackt. Die junge Keramikerin, die während unseres Chinaaufenthaltes die Werkstatt so gut gehütet hat, ist wieder am Viktoriastollen und plant auch weiterhin mit uns zu kooperieren. Genaueres wird noch ausführlich berichtet.
Zunächst aber, Koffer packen und Stullen schmieren!
Aufwiederbloggen in der Gascogne!