Sonntag, 28. September 2008

Wochenende am Holzofen






Ein richtig schönes Brennwochenende liegt hinter uns! Traumhaftes Herbstwetter, das die kalten Nasen am fast frostigen Morgen schnell vergessen ließ. Eine tolle Gruppe von 10 Seminarteilnehmern hat sich am Samstagmorgen zum Holzofenbrand bei uns eingefunden. Sie hatten eigene Stücke mitgebracht, die ein breites Spektrum der keramischen Welt wiederspiegeln und wir waren wieder einmal froh, dass unsere Seminare sich an alle: Profis, Semiprofis und Amateure richten, also an alle, die sich ernsthaft mit Keramik beschäftigen. So war es wieder richtig spannend! Bettina, die sich mit der Keramik der Hallsteinzeit auseinandersetzt, Eberhard mit seinen subtilen Tierskulpturen, Daniels gebaute Gefäße mit geometrischen Engobedekoren, Angelas Dosen, Thomas und Klaus mit ihren japanisch inspirierten Schalen und Huub, der in Holland Kurse leitet, brachte Dutzende von Glasurprobeplättchen mit. Am späten Vormittag waren die Öfen gesetzt und es konnte gefeuert werden. Brennteams von 2-3 Leuten lösten sich ab, alles ging absolut reibungslos und die Temperatur erkletterte (fast) mühelos die 1260°Grad und schon um 18.00 Uhr waren die Messkegel im Ofen schön flach gebrannt und Feuerung und Kamin konnten geschlossen werden.
Ein launiger Abend mit Federweißen und Zwiebelkuchen folgte. Ein "MUSS" zur Weinerntezeit am Mittelrhein.
Der Sonntag bescherte wirklich respektable Resultate. So machen Seminare Spaß!

Samstag, 20. September 2008

Lauter Lieblingsstücke

1-2-3 im Sauseschritt, rast die Zeit, wir rasen mit (frei nach Wilhelm Busch).
Einerseits ist es kaum zu glauben, dass die Woche schon wieder um ist, aber wenn man sich in der Werkstatt umschaut, ist doch allerhand passiert.
Zur Vorbereitung unseres Brennseminares, das am nächsten Wochenende unter dem beziehungsreichen Titel: "Sanfter Salzen" stattfindet, hat Mischa einen Holzofen gebrannt und traumhaft schöne Teller und Schalen stehen nun im Brennraum. Ich liebe sie alle. Jedes Stück ist anders und die Kombination von verschiedenen Gesteinsmehlen und Aschen, Eisen- und Kupferglasuren hat eine verwunschene Farbwelt auf die Stücke gezaubert, die unter ihrem Salzglasurpanzer aussieht wie Gletschereis. Man merkts, ich bin ein echter Fan der Stücke meines Gatten!

Meine vom Dauerkneten rauen und etwas steifen Finger formten einen ganz anderen Kosmos, der nun zum Trocknen auf den Regalwagen steht: Ein wirklich wilder Gartenmix ist da entstanden. Eskortiert von den Flugsauen und Schattenfeen. Auch diese Figürchen, die in der Augustnummer der Zeitschrift "Living at Home" abgebildet waren, sollen Gärten zieren. In der Zeitung war ein Bericht über den zauberhaften kleinen Garten einer lieben Kundin, für die ich meine Plastiken "en miniature" modelliert habe. Ich habe mich mal wieder erweichen lassen und auf dringlichen Kundenwunsch noch mal ähnliches probiert.
Gut, dass es Kunden und Freunde gibt, die einen vor echte Herausforderungen stellen. "Wir mögen ihre Schwimmerinnen, aber sie wirken so herb, geht es nicht ein bisschen mehr sexy?" Das war die Ansage! Und tatsächlich, es ging erotischer und hat echt Spaß gemacht. Zudem ein gutes therapeutisches Ausgleichsprogramm zu den Engeln und Heiligen, die sich noch in der Werkstatt tummeln und auf ihre Bemalung und Feuertaufe warten.

Sonntag, 14. September 2008

Neues Outfit für den Viktoriastollen

Nach 28 Jahren rot-weiß mit etwas blau bekommt unser gutes altes Viktoriastollen-Haus neue Farben! Fast alle alten Lackreste sind nun abgekratzt und die ersten Fensterläden zur Probe aufgehängt: Ein zartes Ocker kombiniert mit einem Umbra-Grau.

Ich finde es genial und überhaupt nicht zu vornehm für uns, obwohl es ja eine klassische Farbkombination für Barockbauten ist. So verändert sich auch unser Haus, das mit seinen Farben ja immer noch an Latzhosen und Jesuslatschen erinnerte, die wir ja nun auch seit längerem nicht mehr tragen.

Apropos Jesus: der Hl. Johannes sitzt nun fast fertig in der Werkstatt. Er fand Gnade bei der Damendelegation des Johannisberger Kirchenrates, und uns fiel ein Stein vom Herzen.
Es ist ein junger Johannes geworden. Der Legende nach bot man ihm vergifteten Wein an, doch der Apostel trank nicht sofort, sondern segnete den Trunk. Da entwich das Gift in Form einer Schlange und der Heilige war gerettet und konnte nun ohne Reue seinen Wein genießen. Eine schöne Szene, die zu dem Ort passt, wo wunderbarer Rheingauer Wein wächst.

Nun sitzt er da, der gute Johannes, sein Weinglas in der Hand und die Schlange verschwindet, noch einmal frech in die Schar der Gläubigen grinsend, in Richtung Steinnische, wo die Skulptur ihren Platz finden wird. Bis jetzt hat die Arbeit großen Spaß gemacht und auch die Recherche war spannend. Die Ikonografie des Heiligen durch die verschiedenen Stile und Zeiten zu verfolgen, der Legende in der Literatur von der Offenbarung bis zum "Sakrileg" zu begegnen. Man fängt an, sich ein eigenes Bild von Jesus Lieblingsjünger zu entwickeln.
Nun heißt es aber langsam Abschied nehmen von all der Heiligkeit und wieder auf dem Boden zu landen. Gartenboden wird es sein, denn unsere Teilnahme an "la foire aux plantes rares" am zweiten Oktoberwochenende in Ordan-Larroque nahe unserer Gascognischen Wahlheimat fordert eine Menge Vorbereitung.
Ideen haben wir schon reichlich, es muss nur noch gemacht werden.

Montag, 8. September 2008

Zurück aus Flandern

Nun liegt der Ausstellungaufbau und die Eröffnung hinter uns und der Viktoriastollen hat uns wieder. Die Galerie Septentrion liegt in einem Vorort von Lille. Spätestens seit diese große Textilindustriestadt im Jahr 2004 Kulturhauptstadt Europas war, hat sich ihr Image geändert. Mit ihrer wunderschönen Flandrischen Ziegelarchitektur und ihrem breit gefächerten Kulturangebot, gehört sie zu den lebendigsten Großstädten Frankreichs.
Die Galerie liegt auf dem Gelände des Schlosses Septentrion, dem Wohnsitz einer wohlhabenden Textilindustriellen-Familie. Umgeben von einem weitläufigen Park befindet sie sich mit 12 anderen Betrieben mit kulturellem Anspruch im ehemaligen Hofgut des Schlosses.


Mit seinen landwirtschaftlichen Produkten aus ökologischem Anbau versorgte der sozial engagierte Firmenchef seine Arbeiter mit gesundem Essen. Der ehemalige Kuhstall wurde zur Galerie umgebaut. Das sieht man diesem hellen und modern ausgestatten Gebäude nicht mehr an.
Die junge Galeristin Marjorie Desmaret hat sich auf moderne figurative Kunst spezialisiert und sucht ihre Künstler auf Messen, Ausstellungen und Atelierbesuchen sorgfältig aus. Mich hat sie auf einer Ausstellung an der Cote d'Azur entdeckt und ein Besuch hier in Kaub hat sie wohl davon überzeugt, dass meine Arbeiten in ihre Galerie passen.


Sie hat ein interessantes Konzept, was aufzugehen scheint, denn die Vernissage war sehr gut besucht. Marjorie öffnet ihre Galerie für Konferenzen und Feiern. So gelingt es ihr Menschen für Kunst zu gewinnen, die wohl sonst nie einen Fuß in eine Galerie setzen würden. Es ist wirklich eine Freude in solch einer lebendigen Galerie vertreten zu sein!
Das motiviert und gibt Schwung!
Den werden wir brauchen, denn eine arbeitsreiche Woche mit großen Herausforderungen steht bevor: Es soll die Skulptur des Apostel Johannes für die Johanneskirche in Johannisberg soweit fertiggestellt werden, dass die Gemeinderratsmitglieder mit ihrem Seelsorger, die den Auftrag dafür erteilt haben, bei ihrem Besuch am Samstag feststellen können, dass ihr Vertrauen in unsere Arbeit gerechtfertigt war.
Die Recherchen und Vorbereitungen sind abgeschlossen nun geht es an die Feinarbeit.

Montag, 1. September 2008

Letzter Drücker

Gut, dass es noch kein Geruchsinternet gibt! Denn das, was mich heute Abend umflattert, wäre wahrscheinlich für zartere Nasen mörderisch. Kalter Rauch und Ruß vom Raku-Brand, gewürzt mit etwas Angstschweiß wegen der bevorstehenden Ausstellung, alles umschwebt von einem leichten Knoblauchduft. Das schreit nach Dusche!


Wie oft haben wir uns vorgenommen mal nicht die Stücke im letzten Moment fertig zu machen. Aber scheinbar gehört es mit dazu, mit leicht rauchenden Kisten und etwas heraushängender Zunge zum Aufbau einer Ausstellung anzukommen. Da kann ich eigentlich ziemlich stolz auf mich sein, denn wir müssen erst morgen die Stücke für die Ausstellung in der Galerie Septentrion unweit von Lille(Nordfrankreich) einpacken und sie sind heute Abend, nachdem ich sie in Wasser eingelegt habe schon kalt!!! Und das, was unter der schillernden Glanzrußschicht nach leichtem abrubbeln sichtbar wurde ,sieht ganz vielversprechend aus.

Morgen früh wird geschrubbt.(Zur Erinnerung: Raku ist die Brenntechnik, wo die Stücke glühend aus dem Ofen geholt werden, in Sägemehl eingebettet schwelend abkühlen.